Eigentlich könnte man meinen, der BH ist einfach nur eine logische Erfindung der natürlichen Bedürfnisse eines weiblichen Körpers. Aber dem ist nicht wirklich so. Erstens fällt einem auf, dass nicht in allen Gegenden dieser Welt Frauen BHs tragen (und dies nicht nur aus Armut), zweitens haben sich sowohl Gewohnheiten, Bewegungen als auch Anforderungen an den weiblichen Körper im Laufe der Zeit verändert.
Die ersten Formen des heutigen BHs entstanden in den griechischen Stadtstaaten wie Sparta. Dort war es nähmlich Frauen gestattet an Sportveranstaltungen teilzunehmen und so mussten sich die Frauen etwas einfallen lassen, damit der Busen nicht alle Bewegungen mitmachen muss
was ja sehr unangenehm ist.

So sollen sich die Frauen damals den Busen mit Stoffstreifen abgebunden haben. Anscheinend fanden sie daran Gefallen und so banden sich Frauen in der Antike und im Mittelalter Leinen um die Brüste, um diese zu stützen.
Da sich aber unter den Leinen die Brustwarzen oft abzeichneten, fingen die Frauen an, Watte unter die Leinen zu stopfen, sodass irgendwann wattierte „Brustverbesserer“ aufkamen, die dem heutigen BH schon sehr ähnlich sahen.

Der erste moderne BH wurde jedoch erst 1889 von der Französin Herminie Cadolle patentiert. Zwei Jahre später meldete der Deutsche Hugo Schindler sein „Gerät“ mit zwei an einem Gürtel befestigte Kappen, die oben mit Bändern befestigt wurden, an. BHs zu dieser Zeit bestanden z.B. aus zusammengeknüpften Taschentüchern und Männerhosenträgern, die sogar schon verstellbar waren. Der schwäbische Korsettmacher Wilhelm Meyer-Ilschen entwickelte 1904 seine „Bruststütze ohne Unterteil“ .
Als der BH das Mieder und das Korsett zur Zeit des Ersten Weltkrieges zu verdrängen begann, kamen parallel dazu auch Hüfthalter und Strapse auf. Anfang der 1930er Jahre wurden in den USA erstmals die noch heute bekannten Standardgrößen (A-, B- und C-Körbchen) eingeführt. Danach wurde der BH immer vielfältiger: verstärkte Körbchen, mit Fischbein-, später Metallbügel unterhalb der Schalen, wattierte BHs, Push-ups, BHs ohne Verschluss, Verschluss hinten oder vorne, Minimalizer, Bandeau-BH, Neckholder usw.
Wie andere Kleidungsstücken durchlief der BH eine Vielzahl von Moden: knabenhaft in den 1920er Jahren, rund in den 1930ern und spitz in den 1950er Jahren (man denke nur an Marilyn Monroe!!). Ab 1994, mit der Einführung des „Wonderbra“ oder „Push-Up“ und neuer Materialien, kam es zu einem neuen BH-Typ.
Übrigens variieren die Bedürfnisse und die Geschmäcker der Frauen, was sie unter T-Shirt und Co tragen, gewaltig auf der Welt. Dazu hat Neon einen sehr witzigen Artikel geschrieben. Was mich sehr erstaunt hat, ist, dass weltweit wohl nur ca. 30 % aller Frauen BHs tragen – aus den verschiedensten Gründen. Übrigens ist dort auch zu lesen, dass die meisten Frauen mit der BH-Auswahl nicht zufrieden sind und Schwierigkeiten haben, einen gut sitzenden BH zu finden. Deutsche Frauen geben übrigens an, BHs von Triumph, Schiesser und Passionata
zu schätzen.
Eine Kuriosität zum Schluss: Der größte Büstenhalter aller Zeiten wurde laut dem Guinness Buch der Rekorde, von der US-Amerikanerin Norma Stitz getragen. Er hatte die US-Größe 56 WW bzw. die fiktive internationale Größe 140 Z. Das entspricht einer Unterbrustweite von 142 cm und einem Brustumfang von 203 cm. Da kann man ja nur Mitleid haben…
(spa)